Paul ist schockiert.

Sein Arbeitskollege Robert ist heute schon wieder 15 min zu spät ins Büro gekommen. Und überhaupt was fällt dem ein. Drei mal auf Kaffee Pause gehen, ist der wahnsinnig geworden? Paul ärgert sich den ganzen Tag und es fallen ihm immer mehr Sachen auf die ihn stören: Sein ungebügeltes Hemd, er lacht zu laut und manchmal unpassend, sein Gang ist irgendwie komisch..

Paul kommt nach Hause und berichtet seiner Frau von Robert. Verständnisvoll hört sie zu und Paul entspannt ein wenig, da er das Gefühl hat verstanden zu werden.

Was ist es eigentlich was Paul so nervt?

Alles was uns übermäßig nervt oder anzieht hat mit unserer Innenwelt zu tun. Vielleicht ist es bei Paul, dass sich Robert so gehen lässt. Bei Paul kann es sein, dass er mit dem gehen lassen selbst ein Thema hat. Vielleicht würde er sich selbst manchmal einfach mal etwas bequemer haben. Dies deutet darauf hin, dass ein Schatten in Paul aktiv ist.

Was ist ein Schatten?

Schatten sind die versteckten Persönlichkeitsanteile, die du lieber nicht sein möchtest oder derer du dir gar nicht bewusst bist. Diese wieder aufzudecken, anzunehmen und zu integrieren, befreit dich und trägt dazu bei, dass du deine Persönlichkeit weiter entwickelst und zu dem Menschen wirst, als der du gemeint bist. Die Bezeichnung Schatten wurde geprägt durch den Schweizer Psychoanalytiker C.G. Jung.

Schattenarbeit hilft dir, deiner Schatten gewahr zu werden und sie zu heilen

Denk mal nach: Gibt es in deinem Leben einen Menschen der dich besonders nervt. Was hat dieser Mensch mit deinen Bedürfnissen zu tun? Gibt es etwas was er lebt was du vielleicht auch möchtest?

Eine Möglichkeit sich seinem eigenen Schatten anzunähern ist die:

Schattenarbeit nach Ken Wilber:

Ein Prozess den ich als sehr Wirksam erlebe ist der 3-2-1 Schatennprozess von Ken Wilber: Er funktioniert so:
Wähle eine Person zu der du besonders abgestossen oder angezogen fühlst. Folge dann den drei Schritten, die weiter unten beschrieben sind. Die Übung dauert zwischen 5 und 10 Minuten und ist in 3 Phasen gegliedert.Du kannst die Übung alleine oder mit einer Begleitung machen:

Phase 1: „SCHAU ES AN!“

Beschreibe die Person, das Bild oder die Wahrnehmung detailliert und lebendig unter Verwendung von Pronomen der 3ten Person (z.B. er, sie, ihr , es). Dies ist eine Gelegenheit, um deine Erfahrung gründlich zu erforschen, speziell dasjenige, was dich ärgert. Spiele das, was dich stört, nicht herunter – nimm die Gelegenheit wahr, es so vollständig und intensiv wie möglich zu beschreiben, spontan und energievoll. Rationalisiere nicht!

Phase 2: „SPRICH MIT IHM“

Tritt in einen Dialog mit diesem Bewusstseinsobjekt ein, in dem du Pronomen der zweiten Person verwendest (du, ihr). Dies ist eine Gelegenheit für dich, mit der Störung in eine Beziehung zu treten und direkt mit der Person, dem inneren Bild oder der Wahrnehmung zu sprechen. Sage ihm/ihr deine Vorbehalte direkt ins Gesicht.

Bei diffusen Störungen kannst du auch Fragen stellen wie:

– Wer/was bist du?
– Wo kommst du her?
– Was möchtest du von mir?
– Was möchtest du mir sagen?
– Was für Geschenke hältst du für mich bereit?

Und dann erlaube der Störung dir zu antworten. Sei offen für mögliche Überraschungen in diesem Dialog. Führe ihn so lange, bis du zufrieden bist.

Phase 3: „SEI ES!“

Jetzt sprichst oder schreibst du in einer und als eine erste Person, und wirst zu dieser Person, diesem Bild oder dieser Wahrnehmung, die du erkundet hast. Verwende dabei die Pronomen der ersten Person (ich, mir, mein). Sieh die Welt, einschließlich deiner selbst, vollständig aus der Sicht dieser Störung, und erlaube dir, nicht nur die Gemeinsamkeiten dabei zu entdecken, sondern auch die Identität, das ein – und – dasselbe Sein.

Mit dieser Übung kannst du erkennen, dass die Sache die dich so aufregt auch innerhalb von dir vorhanden ist. Sie unterstützt dich dies nicht nur als intellektuelle Übung zu machen sondern ganzheitlich als Erfahrung zu integrieren.

Wie funktioniert diese Übung bei Paul? (Kurzversion)

Phase 1:

Robert ist so ein fauler Sack. er kümmert sich nicht um andere. Es ist ihm egal was andere über ihn denken. Er ist ein Assozialer.

Phase 2:

Du bist schon ziemlich rücksichtslos!! Einfach sooft auf Pause gehen und alles bleibt dann bei mir hängen. Du kannst dich schon einmal in andere hineinversetzten. Wie kannst du nur so in der Arbeit auftauchen? Wir Haben da gewisse Reglen… Ein gebügeltes Hemd gehört einfach dazu…

Phase 3:

Ich bin rücksichtslos. Ich bin egoistisch. Mir ist es egal was andere über mich denken. Ich bin manchmal assiozial.

Paul hat Gänsehaut. Er erkennt Momente in seiner Partnerschaft, wo er sich gehen lässt. Wo er seiner Frau die Arbeit überlässt.
Am nächsten Morgen sieht er Robert und nickt ihm freundlich zu? Roberts Stirn runzelt sich leicht und er geht etwas irritiert weiter.

Weitere Übungen für deinen Schatten:

Alle weiteren Übungen beschäftigen sich nur indirekt mit deinem Schatten. Sie zielen eher darauf nicht zu schnell zu urteilen oder eine andere Perspektive einzunehmen.

positiv lästern

dies ist etwas was deine Kollegen schockieren wird. Suche dir irgendeine Person und fange an darüber zu erzählen was sie nicht alles positives macht und was toll an dieser Person ist. Realität ist das was wir draus machen und wenn du deinen Blick auf positive Sachen längst dann kannst du etwas auch mal aus einem anderen Blickwinkel sehen.

Ja, aber soll ich dann meine Gefühle verdrängen?

Nein, auf keinen Fall jedes Gefühl hat seine Berechtigung und wenn wir nicht achtsam sein kann sich dieses verdrängte Gefühl später mal durch zum Beispiel einen Wutausbruch rächen. Ich empfehle diese Technik um manchmal einen perspektiven Wechsel zu bekommen.

Tonglen oder Metta Meditation

Diese beiden buddhistischen Meditations Techniken helfen dir Mitgefühl für andere und dich selbst zu entwickeln. (Wenn du wissen möchtest wie du mit dem meditieren anfängst, kannst du diesen Artikel lesen) Mitgefühl ist so etwas wie das Gegenmittel zu Neid oder schlechten Gefühlen gegenüber anderen Menschen.

Falls du lieber eine geführte Audio Mediatation hast: Du kannst dir auf dem App Insight Timer wundervoller Meditationen zu diesem Thema anhören. Einfach danach suchen 🙂

Auch auf YouTube gibt es geführte Metta Meditation.

Gibt es weiterführende Tipps?

Ja, die gibt es !! Es gibt ein paar sehr gute Bücher die sich der Schattenarbeit widmen. Das für mich wertvollste ist diseses:

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Auch Dahlke hat sich lange mit Schattenarbeit beschäftigt:

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Ich wünsche dir viel Entwicklung bei der Erforschung deines Schattens!

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